| Im Umbruch |
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Hesham Khalifa ist kein gewöhnlicher Football-Trainer. Jeder Cowboys-Spieler, der bei ihm mal in der Ausbildung gewesen ist, weiß das. Der gebürtige Ägypter schult Jugendliche nicht bloß in Taktik und Strategie des American Football. Er formt Persönlichkeiten – auf und außerhalb des Spielfelds. Wie erfolgreich Hesham Khalifas Arbeit ist, dafür gibt es einen aussagekräftigen Beleg: Neun bayerische Meistertitel holte Khalifa seit 1995 mit den Munich Cowboys Juniors. Weiterer Beleg: 22 Spieler der Juniors schafften in den letzten fünf Jahren den Sprung in den Bundesliga-Kader, viele davon sind inzwischen zu Leistungsträgern geworden. Doch jedes Mal wenn Spieler mit 19 Jahren die Altersgrenze erreichen und in den Männer-Football wechseln, bedeutet das für Khalifa und sein Trainergespann mit Norman Harden (Defense) und Sebastian Beer (Offense): Zurück auf Los. Und bei Null wieder anfangen.
„Du kannst nicht jedes Jahr Meister werden“, sagt Hesham Khalifa in diesen Tagen gelegentlich. Es klingt fast wie eine Vorab-Entschuldigung für die laufende Saison. Dabei muss er sich bei niemand entschuldigen: Zum einen ist gerade erst die Hinrunde in der 1A-Jugendliga Bayern gespielt, zum anderen liegen Erfolg- und Misserfolg oft nur Inches voneinander entfernt. Das klingt zwar banal, bewahrheitete sich jedoch zum Abschluss der Hinrunde, beim 24:25 gegen Wildcats Crusaders im Münchner Dantestadion, erneut. Bei diesem Spiel starteten die Cowboys Juniors eine beeindruckende Aufholjagd, nachdem sie zur Halbzeit, scheinbar chancenlos, mit 6:19 Punkten zurücklagen. Es waren noch zwei Minuten zu spielen, da schaffte das Juniors-Team den Touchdown zum 24:25, der den angestrebten Sieg hätte bringen können. Doch dann scheiterten die 15- bis 19-Jährigen mit dem Versuch einer Two-Point-Conversion. „Der Ball muss über der Goalline gewesen sein“, glaubt Khalifa, mit etwas Abstand zu der dramatischen Heim-Niederlage, immer noch. Die Entscheidung der Schiedsrichter offiziell zu reklamieren, wie es andere Trainer tun würden, ist aber nicht seine Sache. Für die Cowboys Juniors gilt es nun, in der spielfreien Zeit, diese besonders schmerzhafte Niederlage wegzustecken. Immerhin drei klare Auswärtssiege im Saisonverlauf (42:0, 42:0 und 41:0) haben sie auf dem Konto. Doch auch das zweite Heimspiel ging verloren, da die Juniors kurzfristig auf ihren etatmäßigen Quarterback verzichten mussten. Konsequenz der beiden weggeworfenen Spiele: Der bayerische Meistertitel des Vorjahres ist aus eigener Kraft nicht mehr zu verteidigen. Khalifa kann in dieser Situation nur so reagieren, wie er es in den wenigen schlechten seiner zwölf Jahre als Jugendtrainer der Munich Cowboys schon ein paar Mal getan hat: „Der Meistertitel ist nie unsere erste Zielsetzung“, sagt er dann. „Es geht darum, Football-Spieler so gut wie möglich auszubilden.“ Dass Spieler aus Khalifas Talentschmiede wie Alexander Scholz oder Jerome Morris derzeit in der Zweiten Bundesliga für Aufsehen sorgen, macht ihn natürlich stolz. Doch es schwächt die Cowboys Juniors immens, dass binnen kurzer Zeit die Besten weitergezogen sind. „Zwei Drittel der Spieler des Kaders 2007 sind unerfahren“, sagt Hesham Khalifa, wenn auch ohne Groll. „Wir haben zwar 25 Leute, die bei jedem Spiel dabei sind. Und die mitdenken, was im Football entscheidend ist“, sagt Offense Coach Sebastian Beer. „Aber auf ein paar Positionen fehlt uns schlicht die Erfahrung.“ Jede Saison habe er, meint Khalifa, „zwei bis drei Neue dabei, die von Football null Ahnung haben“. Der Jugendtrainer der Cowboys beklagt das aber nicht und fügt hinzu: „Die Jugend lebt davon.“ Denn das sieht Khalifa, der in Kairo geboren ist und als vierjähriger Junge mit seiner Familie nach München kam, als seine vordringliche Aufgabe an: Neue Spieler zu integrieren. Die Neuen, das sind Sportart-Wechsler oder ehemalige Spieler der Flag-Busters, 15-Jährige also, denen manchmal noch die körperliche Robustheit für den Football-Sport fehlt. Einem früheren Tischtennis-Spieler, der nun American Football spielen wolle, müsse er den Sinn des Spiels, „das Football-Wissen“, eben erst beibringen, sagt Khalifa. Oliver Schober, jüngerer Bruder des NFL-Europa-Spielers Daniel Schober, ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich dieser Aufwand oft lohnt. „Oliver ist erst im November 2005 zu uns gekommen“, erinnert sich der Jugend-Coach. „Mit einer hohen Grundschnelligkeit und einem großen Wissensdurst ist er bald zu einem unserer Schlüsselspieler geworden.“ In Kürze wird der 20-jährige Defense Back wohl sein Debüt im Zweitliga-Kader geben, glaubt Khalifa, denn: „John Rosenberg gibt talentierten, jungen Spielern die nötige Spielzeit, um sich bewähren zu können“. Wenn ein paar verletzte Akteure seines Jugend-Teams wieder dabei sind, will Hesham Khalifa mit den Cowboys Juniors die in der Jugendliga Bayern Gruppe Süd führenden SG Wildcats / Crusaders jagen. Um im Rückspiel am 14. Juli gegen diese als Sieger vom Platz zu gehen, wird besonders hart gearbeitet, mit bis zu vier Trainingseinheiten direkt vor dem Spiel. Die Wildcats Crusaders warten ihrerseits seit 1994 auf den Meistertitel, 13 lange Jahre, genauso lang, wie Khalifa als Head Coach in München arbeitet. Genügend talentierte Spieler, um die Wildkatzen von der Tabellenspitze zu verjagen, habe er, meint Khalifa: Das seien neben Fabien Gärtner, 17, vor allem Moritz Nixdorf, 15, und Dennis William Butz, 18. Um die Quarterback-Position der Cowboys Juniors kämpfen Tobias Dietz, 15, und Sebastian Roth, 17. Bei seiner Talentaufzählung wird schnell klar, dass er die Meisterschaft tatsächlich noch nicht abgehakt hat. Der Head Coach der Juniors verspricht: „Es wird eine starke Rückrunde.“ |






















